Montag, Mai 05, 2008

Letztens in einer bekannten Zeitschrift gefunden...

Es gibt viele Möglichkeiten, eine tolle Liebesbeziehung kaputt zu machen. Den anderen zu schlagen. Zu schweigen. Sex mit Dritten. Aber die effektivste Methode ist der Umzug in eine gemeinsame Wohnung. Es gibt gar nichts Besseres, um aus einem verliebten Paar in Rekordzeit verfeindete Parteien zu machen, die sich sexuell noch so reizvoll finden wie Geschwister. Das Schönste am Zusammenziehen ist noch der Entschluss, es überhaupt zu tun. Weil dieser Moment von einem Feuerwerk der Feierlichkeit beleuchtet wird: Man trifft eine Entscheidung, wagt und gründet etwas. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne; auch gut, dass das Leben aus Plastiktüten vorerst beendet scheint. Nie wieder um zehn Uhr morgens Noteinkäufe bei H&M, weil es einfach nicht geht, zwei Tage hintereinander im selben T-Shirt im Büro zu erscheinen. Auch kein totes Mobiltelefon mehr, weil das Ladegerät immer in der anderen Wohnung liegt. Nie wieder doppelt Miete zahlen. Für alles, was einen an der Pendelei zwischen zwei Wohnungen genervt hat, scheint es nur diese einzige Lösung zu geben: zusammenzuziehen. Und das, obwohl wir oft schon wissen, was auf diesen Entschluss folgt: eine nachhaltige Zuneigungsdemontage in mehreren Schritten, die eigentlich kein vernünftiger Mensch ernsthaft wollen kann.
Der US-Präsident Dwight D. Eisenhower hatte zwar etwas anderes im Kopf, als er 1954 zum ersten Mal von der »Domino-Theorie« sprach, aber im Prinzip könnte das, was er für kommunistische Staaten annahm, auch für Beziehungen im Frühstadium gelten: Das Fallen des ersten Dominosteins löst eine unaufhaltsame Kettenreaktion aus. Die Kunst, die Frage des Zusammenziehens zu diskutieren – und die Möglichkeit danach auch wieder zu verwerfen, beherrschen die wenigsten frisch Verliebten. Stattdessen gilt: Mit dem Umzug in eine gemeinsame Wohnung hat man das nächstes Level der Beziehung erreicht. Es ist merkwürdig, dass diese Regel allgemeingültig ist, denn – von der Liebe mal abgesehen – tun wir doch ansonsten alles, um möglichst unkonventionell und individuell zu sein. Wa - rum sind wir nicht imstande, den Automatismus zu stoppen? Warum reservieren wir schon einen Möbelwagen, ehe wir den anderen zum ersten Mal mit dem Staubsauger in der Hand gesehen haben?
Gabriele Pauli, gescheiterte Kandidatin für den CSU-Vorsitz, hat sich kürzlich erst lächerlich gemacht mit ihrem Vorschlag, Ehen für die Dauer von sieben Jahren zu schließen. Okay. Aber wie wär’s mit diesem neuen Gesetz: kein Zusammenzug von Paaren, die nicht seit mindestens zwei Jahren in einer Beziehung sind? Denn erst, wenn der Hormonspiegel wieder auf Normalniveau gesunken ist, hat man doch überhaupt die Chance, klare Entscheidungen zu fällen … und die Folgen des Beschlusses abzuschätzen. Zunächst: Für die Wohnungssuche und den Um zug müssen schon mal viele Wochenenden zwangsgeräumt werden. Macht sich ja kaum jemand klar – Wohnungssuche bedeutet, dass kuschelige Pärchenfrühstücke an Samstag und Sonntagmorgen erst mal ausfallen und man abends aller Wahrscheinlichkeit nach zu schlapp zum Ausgehen ist. (Immerhin, ein Vorgeschmack auf das, was kommen wird.) Statt also gemächlich Croissants in den Milchkaffee zu tunken, schaut man sich zusammen mit sehr vielen anderen sehr viele schlecht geschnittene Wohnungen an. Befremdet beobachtet man, wie der zukünftige Mitbewohner versucht, den graugesichtigen Makler mit Pferdekopf-Visitenkarten aus dem Automaten zu beeindrucken. Die Fantasie von der günstigen Traumwohnung mit Südbalkon weicht irgendwann kühlem Pragmatismus: Wer hinterlegt eigentlich die Kaution? Warum versteckt er seine Schufa-Auskunft vor mir? Wollen wir dem Makler wirklich drei Nettokaltmieten Courtage für die Vermittlung dieser Bruchbude schenken?
DEN GANZEN ARTIKEL FINDEST DU IN DER AKTUELLEN AUSGABE VON NEON.

... warum habt ihr den Super Artikel nicht schon früher raus gebracht???

1 Kommentar:

Anja hat gesagt…

Besser spät als nie, Engel! So gibt es für andere noch die Chance, es sich noch mal richtig durch den Kopf gehen zu lassen. Hab dich lieb und denke positiv. So bist du manch anderen schon einen Schritt voraus und an einer Erfahrung reicher.